Rosemarie Bach Erinnerungen

Posted by: Stefan Hartmann   

Das Westpreußenlied

Von Rosemarie Bach, geborene Kempner

Jedes Mal, wenn wir uns zu unserem Heimatsnachmittag zusammenfinden,
beginnen wir den offiziellen Teil mit dem Singen unseres Heimatsliedes
“ Westpreußen, mein lieb Heimatland „.

Seit wir unsere Heimat verlassen mussten, ist es uns zur Heimat-Hymne geworden.

Wann ist das Lied entstanden?
Im Jahre 1901 ist der Text von Paul Felske geschrieben worden und
1902 hat es Hugo Hartmann vertont!

Wir verdanken es also zwei Marienburger Lehrern.

Der Textdichter war der evangelische Lehrer Paul Felske , der am 28. Januar 1838 in Hohenkirch, Kreis Briesen
in Westpreußen geboren wurde. Er starb im Dezember 1914  in Marienburg und wurde auf dem evangelischen Jerusalem Friedhof beerdigt.

Der Komponist des Liedes war der katholische Lehrer Hugo Hartmann, der am 12. März 1862 in Portschweiten , Westpreußen geboren wurde.
Er ist schon am 19. Juni 1907 mit nur 45 Jahren gestorben und in Marienburg auf dem katholischen Friedhof große Geistlichkeit beigesetzt worden.
Er war Lehrer an der katholischen Sankt Johannis Schule und Organist an der Sankt Johannis Kirche .

In einem Danziger Verlag (Anmerkung von Stefan Hartmann: Es war wohl eher Adolf Kunz Verlag aus Berlin !)
ist eine anerkannte Klavierschule von ihm erschienen.

Leider starb er schon mit 45 Jahren an Lungentuberkulose (Schwindsucht), einer Krankheit,
die damals nicht beherrschbar war, weil es noch keine Antibiotika gab.

Das von beiden Lehrern gedichtete und vertonte Lied wurde in der katholischen Gemeindeschule eingeübt
und bei einer Schul-Festlichkeit erstmals 1902 öffentlich vorgetragen.
Es verbreitete sich dann sehr schnell, wohl weil es eine leicht singbare Melodie hatte.
Schon 1902 erwarb es der Marienburger Männergesangsverein, um es bei größeren Veranstaltungen vorzutragen.
Auf einem Bismarck-Kommers im Jahre 1907 hatte das Westpreußen-Lied so einen großen Erfolg,
dass Dichter und Komponist Anerkennungs-Schreiben erhielten.

Der Männergesangsverein trug es meist vierstimmig vor. Besonders schön klingt es zwei stimmig von hellen Mädchenstimmen.

Seinen großen Durchbruch erlebte das Westpreußenlied vor und während der Abstimmung 1920 am 11. Juli
in den westpreußischen Kreisen Marienburg, Marienwerder, Stuhm und Rosenberg.

In den ersten 1920er Jahren wurden dem Dichter und dem Komponisten des Westpreußenliedes im Marienburger Stadtpark ein Denkmal gesetzt.
Auf dem Findling-Stein standen in goldenen Buchstaben Namen und Lebensdaten
der Verfasser und die Anfangsworte mit Noten das Westpreußenliedes.

Paul Felskes und Hugo Hartmanns Wunsch“ im Weichsel-Gau auf blumiger Au“ begraben zu sein,
war für sie in Erfüllung gegangen.

Rosemarie Bach, geborene Kempner