Siegfried Paschke Erinnerungen

Posted by: Stefan Hartmann   

Aus der Marienburger Zeitung Nummer 29 vom August 1950

(Kreisanzeiger für den Kreis Marienburg Westpreußen
Als Rundbrief an alle fern der Heimat lebenden Marienburger Kreis-Eingesessenen,
geschrieben und herausgegeben von Schriftleiter Hubert Dettmeyer Lüchow, i. Hann.)
Artikel von Siegfried Paschke:

Westpreußen, mein lieb Heimatland !

Ganz genau besinne ich mich auf einen Tag, an dem mein Vater, der Rektor Serenus Paschke in  Sandhof,
aus der Stadt kam und bewegt sagte:
“ nun hat Hugo Hartmann uns auch eine Weise zu Paul Felskes Westpreußen Lied geschenkt „.
Mein Vater war mit beiden Männern sehr befreundet.
Auf Paul Felske kann ich mich nur schwach besinnen: eine würdige Lehrergestalt, die ihren Ruhestand genoss.
Hugo Hartmann habe ich sehr oft gesehen.
Er war eine schlichte Erscheinung im schwarzen Haar und Bart, Marienburger Lehrer und, wenn ich nicht irre,
Organist an der katholischen Kirche.

Er arbeitete und studierte unentwegt Musik.

Die beiden Freunde fuhren zu jedem größeren Konzert, zu Oratorien-Aufführungen nach Elbing und Danzig
und vertieften sich in Klavier Auszüge und Partituren.
Aus Hartmanns vorzüglicher Klavierschule,
die im Verlag von Adolf Kunz in Berlin erschienen war, habe ich Klavier spielen gelernt.

Mein Vater konnte kaum die nächste Singstunde erwarten.
Heute höre ich noch deutlich wie seine Geige im Vorspiel aufklang, wie die Klasse das Lied schnell lernte,
wie wir es bei unzähligen Gelegenheiten innig und stolz zweistimmig sangen.

Das Lied muss um die Jahrhundertwende, spätestens 1902, entstanden sein.
Gewiss gibt es berühmtere Heimatslieder.
Unser Westpreußenlied erhebt nicht den Anspruch, klassisch zu sein.

Wer es aber als Kitsch bezeichnet, der tut den schlichten Worten ein Unrecht an.
Wie wir Westpreußen uns nicht erhaben fühlen über andere deutsche Stämme,
so sind wir auch zufrieden mit unserem Heimatslied,
dass nun ein halb Jahrhundert erklingt und gesungen wird, solange Menschen
aus dem Weichsel Gau leben, ihnen und den Schöpfern zur Erbauung und Ehrung.

Siegfried Paschke.

Nachtrag: Hamburg-Rissen

Hugo Hartmann, Lehrer in Marienburg, Starb am 19. Juni 1907.
Paul Felske, Lehrer in Marienburg-Kalthof, starb 1914.

Erster Bürgermeister Pawelcik ließ später den beiden Schöpfern des Liedes
im Stadtpark ein schlichtes Denkmal setzen und hat dieses auch eingeweiht.

Unter der Inschrift sah man in Goldschrift die Anfangsnoten des Westpreußenliedes.
Das Lied wurde in der Öffentlichkeit erstmals vom Männer-Gesangsverein Marienburg
unter der Stabführung seines Chormeisters Serenus Paschke gesungen.

Nach einer Bekanntmachung in Nummer 6 „der Westpreuße“ – vom Juni 1950 –
hat die Landsmannschaft Westpreußen einen
Sonderdruck des Liedes mit vierstimmigem Notensatz anfertigen lassen;
er kann von der Geschäftsstelle Lübeck, bezogen werden.